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LexikonPflegegrad & Begutachtung

Pflegegrad 3: Vor­aus­set­zun­gen, Punkte, Geld und Leistungen

Was Pflegegrad 3 bedeutet, wie viele Punkte Sie brauchen und was die Pflegekasse heute zahlt. Mit dem Stand zum Gesetzentwurf für 2027.

Aktualisiert 30.10.2026Kurzantwort in 30 Sekunden

Kurz erklärt

Pflegegrad 3 bedeutet schwere Beeinträchtigungen der Selbständigkeit und gilt heute ab 47,5 bis unter 70 Gesamtpunkten. Die Pflegekasse zahlt 599 Euro Pflegegeld oder bis zu 1.497 Euro Pflegesachleistung im Monat. Nach dem Gesetzentwurf soll die Untergrenze für neue Anträge ab 2027 bei 50 Punkten liegen.

599 €
Pflegegeld im Monat in Pflegegrad 3
1.497 €
Pflegesachleistung im Monat für den Pflegedienst
47,5 bis unter 70
Gesamtpunkte heute für Pflegegrad 3
131 €
Entlastungsbetrag im Monat

Was steht Ihnen zu?

Eine Pflegeberatung prüft Ihre Situation und zeigt, welche Leistungen Sie beantragen können. Kostenlos und unverbindlich.

Die Beratung erfolgt durch einen geprüften Beratungspartner.

Pflegegrad 3 in Kürze

  • Pflegegrad 3 steht für schwere Beeinträchtigungen der Selbständigkeit. Er gilt heute ab 47,5 bis unter 70 Gesamtpunkten.
  • Zu Hause zahlt die Pflegekasse 599 Euro Pflegegeld im Monat oder bis zu 1.497 Euro Pflegesachleistung an einen Pflegedienst. Beides lässt sich anteilig kombinieren.
  • Dazu kommen 131 Euro Entlastungsbetrag im Monat, bis zu 3.539 Euro im Jahr für Ersatz- und Kurzzeitpflege und 1.357 Euro für Tagespflege.
  • Im Pflegeheim zahlt die Pflegekasse 1.319 Euro im Monat für die Pflege.
  • Pflegestufe 3 gibt es seit 2017 nicht mehr. Die alte Stufe III wurde in Pflegegrad 4 oder 5 überführt.
  • Nach dem Gesetzentwurf soll für neue Anträge ab 2027 die Untergrenze bei 50 Punkten liegen und das Entlastungsbudget (soll das Pflegegeld ersetzen) 630 Euro betragen. Ein bestehender Pflegegrad bleibt nach dem Entwurf erhalten.

Was bedeutet Pflegegrad 3?

Pflegegrad 3 ist der mittlere der fünf Pflegegrade. Das Gesetz beschreibt ihn als „schwere Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten“. Gemeint ist: Sie brauchen in mehreren Lebensbereichen regelmäßig Hilfe, etwa beim Waschen, Anziehen, Gehen oder bei der Orientierung, und können das nicht selbst ausgleichen.

Seit 2017 zählt nicht mehr, wie viele Minuten die Pflege dauert. Der Medizinische Dienst (MD) prüft, wie selbständig Sie sind, und vergibt Punkte in sechs Bereichen. Wie das abläuft, erklärt die Seite Begutachtungsinstrument. Die Summe heißt Gesamtpunkte. Alle Grade im Überblick: Pflegegrad. Die Nachbarn: Pflegegrad 2, Pflegegrad 4 und Pflegegrad 5.

Pflegegrad 3: Voraussetzungen und Punkte

Das müssen Sie erfüllen

  • Sie sind aus gesundheitlichen Gründen in Ihrer Selbständigkeit oder Ihren Fähigkeiten eingeschränkt und können das nicht selbst ausgleichen (§ 14 SGB XI).
  • Die Pflegebedürftigkeit besteht auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate.
  • Sie erreichen bei der Begutachtung mindestens 47,5 Gesamtpunkte.
  • Sie waren in den letzten zehn Jahren vor dem Antrag mindestens zwei Jahre in der Pflegeversicherung, als Mitglied oder familienversichert (§ 33 Abs. 2).
  • Sie haben einen Antrag bei der Pflegekasse gestellt.

So viele Punkte brauchen Sie heute

Gesamtpunkte und Pflegegrad (heutiges Recht)

PflegegradGesamtpunkteBeschreibung im Gesetz
Pflegegrad 1ab 12,5 bis unter 27geringe Beeinträchtigungen
Pflegegrad 2ab 27 bis unter 47,5erhebliche Beeinträchtigungen
Pflegegrad 3ab 47,5 bis unter 70schwere Beeinträchtigungen
Pflegegrad 4ab 70 bis unter 90schwerste Beeinträchtigungen
Pflegegrad 5ab 90 bis 100schwerste Beeinträchtigungen mit besonderen Anforderungen an die Versorgung

Quelle: § 15 Abs. 3 SGB XI. Für Kinder bis 18 Monate sind die Bereiche verschoben (§ 15 Abs. 7): Pflegegrad 3 liegt dort bei 27 bis unter 47,5 Punkten.

Pflegegrad 3: Alle Leistungen und Beträge

Leistungen der Pflegekasse bei Pflegegrad 3 (heute)

LeistungBetragHinweis
Pflegegeld (§ 37)599 € im Monatfür selbst organisierte Pflege, etwa durch Angehörige
Pflegesachleistung (§ 36)bis 1.497 € im Monatgeht direkt an den Pflegedienst
Kombinationsleistung (§ 38)anteiligDienst teilweise genutzt, Rest als Pflegegeld
Entlastungsbetrag (§ 45b)bis 131 € im MonatErstattung gegen Beleg, zum Beispiel für Tagespflege oder anerkannte Alltagshilfen
Verhinderungs- und Kurzzeitpflege (§§ 39, 42, 42a)bis 3.539 € im Jahr, gemeinsamje längstens acht Wochen
Tages- und Nachtpflege (§ 41)bis 1.357 € im Monatzusätzlich zu Pflegegeld oder Sachleistung
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch (§ 40 Abs. 2)bis 42 € im Monatauch als Erstattung
Technische Pflegehilfsmittel (§ 40 Abs. 3)leihweiseZuzahlung 10 %, höchstens 25 € je Mittel
Wohnumfeld verbessern (§ 40 Abs. 4)bis 4.180 € je MaßnahmeZuschuss, wenn die Pflege zu Hause dadurch möglich oder leichter wird
Digitale Pflegeanwendungen (§ 40b)bis 40 € im Monat, dazu bis 30 € Unterstützungnach Bewilligung
Wohngruppenzuschlag (§ 45f)224 € im Monatin ambulant betreuten Wohngruppen
Vollstationäre Pflege (§ 43)1.319 € im MonatPauschale für die Pflege im Heim
Pflegekurse (§ 45)kostenlosfür Angehörige
Beratungseinsatz (§ 37 Abs. 3)einmal pro HalbjahrPflicht bei Pflegegeld

Beträge seit 1. Januar 2025, Gemeinsamer Jahresbetrag seit 1. Juli 2025. Quellen: §§ 36 bis 45f SGB XI; BMG, Leistungsansprüche der Versicherten im Jahr 2026.

Pflegegeld oder Pflegedienst?

Beim Pflegegeld organisieren Sie die Pflege selbst und entscheiden, wie Sie das Geld verwenden. Bei der Pflegesachleistung rechnet der Pflegedienst direkt mit der Kasse ab. Nutzen Sie die Sachleistung nur zum Teil, bekommen Sie den Rest anteilig als Pflegegeld. Das Verhältnis gilt sechs Monate.

RechenbeispielPflegedienst und Pflegegeld kombinierenEine Person mit Pflegegrad 3 hat einen Pflegedienst, der im Monat 748,50 Euro mit der Pflegekasse abrechnet. Den Rest der Pflege übernimmt die Tochter.
Sachleistung Pflegegrad 3
1.497,00 €
Genutzter Anteil748,50 € ÷ 1.497 €
50 %
Anteiliges Pflegegeld599 € × (100 % minus 50 %)
299,50 €
Pflegekasse zahlt insgesamt748,50 € + 299,50 €
1.048,00 €

Der Dienst erhält 748,50 Euro direkt, die pflegebedürftige Person 299,50 Euro Pflegegeld. Zusammen sind das 1.048 Euro statt 599 Euro.

Berechnung nach § 38 SGB XI. Die 748,50 Euro sind ein Rechenbeispiel, keine Preisangabe.

Verhinderungspflege bei Pflegegrad 3

Ist die Pflegeperson im Urlaub oder krank, zahlt die Kasse die Ersatzpflege für längstens acht Wochen je Kalenderjahr, gemeinsam mit der Kurzzeitpflege bis zu 3.539 Euro. Eine Vorpflegezeit gibt es seit 1. Juli 2025 nicht mehr, stundenweise Ersatzpflege ist möglich. Übernimmt ein naher Angehöriger sie ohne Erwerbsabsicht, gilt regelmäßig höchstens das Pflegegeld für bis zu zwei Monate, bei Pflegegrad 3 also 1.198 Euro, auf Nachweis auch mehr. Den Erstattungsantrag stellen Sie bis Ende des Folgejahres. Mehr: Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege, Gemeinsamer Jahresbetrag.

Pflegegrad 3: Wie viel Geld gibt es?

  • Nur Pflegegeld: 599 Euro im Monat, 7.188 Euro im Jahr. Das Geld geht an die pflegebedürftige Person.
  • Nur Pflegedienst: bis zu 1.497 Euro im Monat, bis zu 17.964 Euro im Jahr. Das Geld geht an den Dienst. Kostet er mehr, zahlen Sie die Differenz.
  • Zusätzlich: Entlastungsbetrag 131 Euro im Monat (1.572 Euro im Jahr) und bis zu 3.539 Euro im Jahr für Ersatz- und Kurzzeitpflege.

Den Entlastungsbetrag erstattet die Kasse gegen Belege, ein Antrag ist nicht nötig. Nicht verbrauchte Beträge können Sie in das folgende Kalenderhalbjahr übertragen.

Geldleistung für Angehörige

Das Pflegegeld bekommt die pflegebedürftige Person, nicht die Pflegeperson. Wer pflegt, kann aber auf mehreren Wegen abgesichert werden:

  • Rentenversicherung: Die Pflegekasse zahlt unter Voraussetzungen Beiträge, siehe nächster Abschnitt.
  • Unfall- und Arbeitslosenversicherung: Pflegepersonen, die jemanden mit mindestens Pflegegrad 2 pflegen, sind einbezogen (§ 44 Abs. 2a und 2b).
  • Pflegeunterstützungsgeld: bis zu zehn Arbeitstage je Kalenderjahr, wenn Sie kurzfristig die Pflege organisieren müssen. Siehe Pflegeunterstützungsgeld.
  • Freistellung: Pflegezeit bis zu sechs Monate (Arbeitgeber mit mehr als 15 Beschäftigten) und Familienpflegezeit bis zu 24 Monate (mehr als 25 Beschäftigte). Siehe Pflegezeit und Familienpflegezeit.
  • Steuer: Leistungen der Pflegeversicherung sind steuerfrei. Geld, das Angehörige für die Pflege erhalten, bleibt bis zur Höhe des Pflegegeldes steuerfrei (§ 3 Nr. 36 EStG).

Rentenpunkte für Pflegepersonen bei Pflegegrad 3

Die Pflegekasse zahlt Rentenbeiträge für Pflegepersonen, wenn diese nicht erwerbsmäßig einen Menschen mit mindestens Pflegegrad 2 zu Hause pflegen, dafür wenigstens zehn Stunden pro Woche aufwenden, verteilt auf mindestens zwei Tage, und selbst höchstens 30 Stunden pro Woche arbeiten (§ 3 SGB VI, §§ 19, 44 SGB XI). Die Punkte hängen vom Pflegegrad und von der Leistungsart ab. Grundlage ist ein Anteil der Bezugsgröße (2026: 47.460 Euro im Jahr), geteilt durch das vorläufige Durchschnittsentgelt (51.944 Euro).

Rentenpunkte pro Jahr bei Pflegegrad 3 (Rechenstand 2026)

LeistungsartAnteil der BezugsgrößeRentenpunkte pro Jahr
Nur Pflegegeld43 %rund 0,39
Kombinationsleistung36,55 %rund 0,33
Nur Pflegesachleistung30,1 %rund 0,28

Quellen: § 166 Abs. 2 SGB VI, § 70 SGB VI, Sozialversicherungsrechengrößen-Verordnung 2026. Der endgültige Wert steht in Ihrer Rentenauskunft.

RechenbeispielRentenpunkte bei Pflegegrad 3 und PflegegeldEine Tochter pflegt ihre Mutter (Pflegegrad 3, nur Pflegegeld) das ganze Jahr 2026 mindestens zehn Stunden pro Woche.
Beitragspflichtige Einnahme47.460 € × 43 %
20.407,80 €
Vorläufiges Durchschnittsentgelt 2026
51.944 €
Rentenpunkte für 202620.407,80 € ÷ 51.944 €
0,3929

Ein Jahr Pflege bringt rund 0,39 Rentenpunkte. Ein Jahr mit genau dem Durchschnittsverdienst bringt 1,0.

Was ein Punkt in Euro wert ist, steht im Rentenbescheid. Mehr: Rente für pflegende Angehörige.

Pflegegrad 3 im Pflegeheim: Kosten und Eigenanteil

Im Heim zahlt die Pflegekasse bei Pflegegrad 3 pauschal 1.319 Euro im Monat für die pflegebedingten Aufwendungen (§ 43). Der Rest ist der Eigenanteil. Er ist in einem Heim für die Pflegegrade 2 bis 5 gleich hoch (§ 84 Abs. 2). Pflegegrad 3 ist im selben Heim also nicht günstiger oder teurer als ein anderer Grad. Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten tragen Sie ganz selbst. Beim pflegebedingten Anteil hilft ein Leistungszuschlag, der mit der Aufenthaltsdauer steigt (§ 43c): 15 Prozent bis einschließlich 12 Monate, 30 Prozent ab dem 13. Monat, 50 Prozent nach mehr als 24 und 75 Prozent nach mehr als 36 Monaten. Mehr: Leistungszuschlag.

Was Heime im Durchschnitt kosten, hat der Ersatzkassenverband vdek zum 1. Juli 2026 ausgewertet. Die bundesweiten Mittelwerte gelten für das erste Aufenthaltsjahr, Ihr Heim kann abweichen:

Durchschnittlicher Eigenanteil im Pflegeheim, 1. Aufenthaltsjahr

BestandteilEuro im Monat
Pflegebedingter Eigenanteil (einschließlich Ausbildungskosten)1.775
Unterkunft und Verpflegung1.068
Investitionskosten521
Gesamt3.364

Quelle: vdek, Auswertung zum 1. Juli 2026 (Meldung vom 14.07.2026). Zwischen den Bundesländern reicht der Gesamtwert von 2.891 Euro in Sachsen-Anhalt bis 3.761 Euro in Bremen.

Reichen Rente und Vermögen nicht, kann das Sozialamt helfen: Hilfe zur Pflege. Ausführlich: Pflegeheim Kosten und Eigenanteil im Pflegeheim.

Pflegestufe 3 und Pflegegrad 3: der Unterschied

Bis Ende 2016 gab es drei Pflegestufen, seit dem 1. Januar 2017 gibt es fünf Pflegegrade. Alle Menschen mit einer Pflegestufe wurden ohne neuen Antrag in einen Pflegegrad überführt (§ 140 SGB XI). Die Pflegestufe 3 entspricht deshalb nicht dem Pflegegrad 3. Eine „Pflegestufe 4“ hat es nie gegeben.

So wurden die Pflegestufen 2017 überführt

Alte EinstufungPflegegrad ohne eingeschränkte AlltagskompetenzPflegegrad mit eingeschränkter Alltagskompetenz
Pflegestufe IPflegegrad 2Pflegegrad 3
Pflegestufe IIPflegegrad 3Pflegegrad 4
Pflegestufe IIIPflegegrad 4Pflegegrad 5
Pflegestufe III mit HärtefallPflegegrad 5Pflegegrad 5

Quelle: § 140 Abs. 2 SGB XI. Nur eingeschränkte Alltagskompetenz, zum Beispiel bei Demenz, ohne Pflegestufe führte zu Pflegegrad 2.

Pflegegrad 3 haben heute also vor allem Menschen, die früher Pflegestufe II hatten, oder Pflegestufe I mit Demenz. Wer „Pflegestufe 3“ sucht, findet die heutigen Werte bei Pflegegrad 4 und Pflegegrad 5.

Zeitaufwand: Wie viele Stunden Pflege braucht Pflegegrad 3?

Für die heutigen Pflegegrade nennt das Gesetz keine Stunden oder Minuten. Angaben dazu im Netz sind keine gesetzlichen Werte. Nur die alten Pflegestufen verlangten bis 2016 einen Mindestzeitaufwand pro Tag, gemessen an einer nicht ausgebildeten Pflegeperson:

Alter Zeitaufwand der Pflegestufen (nur bis 2016 gültig)

PflegestufeZeitaufwand pro Tagdavon Grundpflege
Pflegestufe Imindestens 90 Minutenmehr als 45 Minuten
Pflegestufe IImindestens 3 Stundenmindestens 2 Stunden
Pflegestufe IIImindestens 5 Stundenmindestens 4 Stunden

Quelle: § 15 SGB XI in der bis 31.12.2016 geltenden Fassung. Heute gilt das Punktesystem.

Beispiele: Wer hat typischerweise Pflegegrad 3?

Diese Situationen sind typische Muster, keine Diagnosen und kein Maßstab für Ihren Fall. Entscheidend sind die Punkte des MD.

  • Nach einem Schlaganfall: Eine 78-jährige Frau ist rechts geschwächt, geht nur mit Rollator und Begleitung und braucht Hilfe beim Duschen, Anziehen und auf der Toilette. Hohe Werte in Mobilität und Selbstversorgung sind in so einer Lage möglich.
  • Demenz im mittleren Stadium: Ein 82-jähriger Mann findet sich in der Wohnung nicht mehr zurecht, vergisst zu essen und zu trinken und ist nachts unruhig. Körperlich ist er noch mobil. Hier zählen vor allem kognitive Fähigkeiten, Verhalten und Selbstversorgung. Mehr: Pflegegrad bei Demenz.
  • Fortgeschrittene Parkinson-Erkrankung: Eine 66-jährige Frau braucht Hilfe bei Medikamenten, Arztterminen und Mahlzeiten. Das Anziehen dauert lange, Stürze kommen vor.

Antrag, Begutachtung und Höherstufung

So kommen Sie zu Pflegegrad 3

  1. Antrag bei der Pflegekasse stellenEin Anruf oder formloses Schreiben bei Ihrer Pflegekasse genügt. Leistungen gibt es ab dem Beginn des Monats der Antragstellung (§ 33). Mehr: Pflegegrad beantragen.
  2. Pflegetagebuch führenNotieren Sie ein bis zwei Wochen, wobei Sie wann Hilfe brauchen.
  3. Begutachtung abwartenDer MD oder ein anderer unabhängiger Gutachter kommt meist nach Hause. Eine vertraute Person sollte dabei sein. Siehe Begutachtung durch den MD.
  4. Bescheid erhaltenDie Kasse muss spätestens 25 Arbeitstage nach Antragseingang entscheiden (§ 18c). Bei einer Verzögerung, die sie zu vertreten hat, zahlt sie 70 Euro für jede begonnene Woche.
  5. Bescheid prüfenBei Zweifeln legen Sie innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Widerspruch ein (§ 84 SGG). Siehe Widerspruch einlegen.
Schneller geht es in besonderen Lagen: Im Krankenhaus oder in der Reha soll die Begutachtung unter weiteren Voraussetzungen spätestens am 5. Arbeitstag nach Antragseingang erfolgen, zu Hause bei angekündigter Pflegezeit oder vereinbarter Familienpflegezeit innerhalb von 10 Arbeitstagen (§ 18a).

Höherstufung

Verschlechtert sich Ihr Zustand, können Sie jederzeit einen neuen Antrag auf einen höheren Pflegegrad stellen. Für Pflegegrad 4 sind mindestens 70 Gesamtpunkte nötig. Eine neue Begutachtung kann auch zu einem niedrigeren Ergebnis führen. Ist eine Besserung zu erwarten, darf die Kasse den Grad befristen, insgesamt höchstens drei Jahre (§ 33). Ausführlich: Höherstufung beantragen.

Schwerbehindertenausweis und Steuervorteile bei Pflegegrad 3

Pflegegrad und Schwerbehinderung sind zwei getrennte Verfahren. Den Pflegegrad stellt die Pflegekasse fest. Den Grad der Behinderung (GdB) stellt auf Antrag die zuständige Landesbehörde fest, meist das Versorgungsamt (§ 152 SGB IX). Schwerbehindert ist, wer einen GdB von mindestens 50 hat (§ 2 Abs. 2 SGB IX). Ein Pflegegrad 3 ersetzt diesen Antrag nicht. Die Versorgungsmedizin-Verordnung knüpft auch die Hilflosigkeit (Merkzeichen H) nicht an einen Pflegegrad.

Pflegepersonen können den Pflege-Pauschbetrag nutzen (§ 33b Abs. 6 EStG): bei Pflegegrad 3 sind es 1.100 Euro im Jahr, bei Pflegegrad 2 600 Euro, bei Pflegegrad 4 oder 5 1.800 Euro. Voraussetzung: Sie pflegen persönlich und erhalten dafür keine Einnahmen. Mehr: Pflegepauschbetrag.

Pflegegrad 3 und die Pflegereform 2027

Das Pflegeneuordnungsgesetz soll nach dem Gesetzentwurf überwiegend am 1. Januar 2027 in Kraft treten. Für Pflegegrad 3 betrifft das die Leistungshöhe, die Untergrenze der Punkte und die Bewertung im Begutachtungsinstrument.

Pflegegrad 3: heute und nach dem Gesetzentwurf

WasHeuteAb 2027 (Gesetzentwurf)laut Kabinettsentwurf
Pflegegeldkünftig Entlastungsbudget; soll auch Ersatzpflege und Verbrauchs-Pflegehilfsmittel abdecken599 €630 €mehr
Pflegesachleistungkünftig Sachleistungsbudget1.497 €1.590 €mehr
Entlastungsbetragkünftig Sozialraumbudget, nur für anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag, kein Ansparen131 €bis 175 €mehr
Verhinderungs- und KurzzeitpflegeVerhinderungspflege entfällt als eigene Leistung; neu: Überbrückungsbudget3.539 € im Jahr2.285 € im Jahrgeändert
Pflegehilfsmittel zum Verbrauchbis 42 € im Monatim Entlastungsbudget enthaltengeändert
Untergrenze Pflegegrad 3für Anträge ab 2027; Obergrenze bleibt bei 70 Punkten47,5 Punkte50 Punktestrenger
Bewertung in den Modulen 1, 4 und 6zum Beispiel Modul 4: schwere Beeinträchtigung ab 25 statt 19 Einzelpunktenheutige Punktbereichegeänderte Punktbereichestrenger
Tages-/Nachtpflege und Heim-PauschaleBeträge werden im Entwurf nicht geändert1.357 € und 1.319 €1.357 € und 1.319 €
Beratung bei Pflegegeldeinmal pro Halbjahreinmal pro Halbjahr, in den ersten 3 Monaten bis zu 2 zusätzlicheneu

Monatsbeträge, wenn nicht anders angegeben. Heute: SGB XI, Stand 29. Oktober 2026 (zuletzt geändert durch Art. 2c G v. 24.7.2026). Ab 2027: Gesetzentwurf der Bundesregierung vom 30.09.2026 (BR-Drs. 587/26 (neu)), nicht beschlossen.

Was die neuen Punktbereiche bewirken können

Der Entwurf ändert nicht nur die Untergrenze, sondern auch, wie Einzelpunkte in gewichtete Punkte umgerechnet werden. Das Zahlenbeispiel ist frei gewählt und beschreibt keine reale Person.

RechenbeispielGleiche Einzelpunkte, andere GesamtpunkteAngenommene Einzelpunkte: Modul 1: 5, Modul 2: 8, Modul 3: 1, Modul 4: 20, Modul 5: 1, Modul 6: 3.
Modul 1 Mobilität: 5 Einzelpunkteheute und neu: erhebliche
5,0 heute, 5,0 neu
Module 2 und 3: 8 und 1 Einzelpunktehöherer Wert zählt: Modul 2, erhebliche
7,5 heute, 7,5 neu
Modul 4 Selbstversorgung: 20 Einzelpunkteheute 19 bis 36: schwere; neu 10 bis 24: erhebliche
30,0 heute, 20,0 neu
Modul 5 Krankheit und Therapie: 1 Einzelpunktheute und neu: geringe
5,0 heute, 5,0 neu
Modul 6 Alltagsleben: 3 Einzelpunkteheute und neu: geringe
3,75 heute, 3,75 neu
Gesamtpunkte heute5 + 7,5 + 30 + 5 + 3,75
51,25
Gesamtpunkte nach dem Entwurf5 + 7,5 + 20 + 5 + 3,75
41,25

Heute ergäbe das 51,25 Punkte und damit Pflegegrad 3. Nach dem Entwurf wären es 41,25 Punkte, also Pflegegrad 2. Der Unterschied entsteht allein durch die neuen Punktbereiche in Modul 4.

Nach Anlage 2 zu § 15 SGB XI (heute) und Anlage 2 SGB XI-E (Entwurf). Gilt nur für Anträge ab 2027.

Bestandsschutz: Behalte ich Pflegegrad 3?

Nach dem Entwurf bleibt die Zuordnung zu einem Pflegegrad nach dem bis Ende 2026 geltenden Recht bis zu einer Neubegutachtung bestehen. Auch danach kann die Einstufung nicht allein wegen der neuen Schwellenwerte und der neuen Punktebewertung zum Verlust des Pflegegrades führen (§ 142b Abs. 2 SGB XI-E). Bessert sich Ihre Selbständigkeit tatsächlich, kann der Grad weiterhin sinken. Mehr: Bestandsschutz beim Pflegegrad.

Antrag vor oder nach dem 1. Januar 2027

Maßgeblich ist nach dem Entwurf das Recht am Tag der Antragstellung (§ 142b Abs. 1 SGB XI-E). Ein Antrag bis zum 31. Dezember 2026 würde nach den heutigen Punktbereichen begutachtet, auch wenn der Termin erst 2027 stattfindet. Vom 1. Januar bis 30. April 2027 soll die 25-Tage-Frist der Kasse nicht gelten, außer bei besonders dringlichem Bedarf. Ob ein Antrag für Sie sinnvoll ist, hängt von Ihrem tatsächlichen Hilfebedarf ab. Siehe Pflegegrad noch 2026 beantragen und neue Schwellenwerte.

Häufige Fehler bei Pflegegrad 3

  • Beratungseinsatz versäumen. Bei Pflegegeld wird sonst das Geld gekürzt, im Wiederholungsfall entzogen (§ 37 Abs. 6).
  • Ohne Vorbereitung zur Begutachtung. Ohne Pflegetagebuch wirkt der Alltag leichter, als er ist. Schildern Sie einen schlechten, nicht den besten Tag.
  • Fristen verpassen. Widerspruch binnen eines Monats, Erstattung der Verhinderungspflege bis Ende des Folgejahres, Entlastungsbetrag nur bis zum folgenden Halbjahr übertragbar.
  • Entlastungsbetrag falsch einsetzen. Beim Pflegedienst gilt er nicht für Selbstversorgung, also etwa nicht für Waschen oder Anziehen.

Häufige Fragen

Wie viele Punkte braucht man für Pflegegrad 3?

Heute 47,5 bis unter 70 Gesamtpunkte. Nach dem Gesetzentwurf soll die Untergrenze für neue Anträge ab 2027 bei 50 Punkten liegen.

Wie viel Geld gibt es bei Pflegegrad 3?

Zu Hause 599 Euro Pflegegeld im Monat oder bis zu 1.497 Euro Pflegesachleistung. Dazu 131 Euro Entlastungsbetrag und bis zu 3.539 Euro im Jahr für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege.

Wie hoch ist das Pflegegeld bei Pflegegrad 3 im Jahr 2026 und 2027?

2026 sind es 599 Euro im Monat. Nach dem Gesetzentwurf soll es ab 2027 als Entlastungsbudget 630 Euro betragen und dann auch Ersatzpflege abdecken. Beschlossen ist das nicht.

Ist Pflegestufe 3 dasselbe wie Pflegegrad 3?

Nein. Die Pflegestufe III wurde 2017 in Pflegegrad 4 oder 5 überführt. Pflegegrad 3 entspricht eher der früheren Pflegestufe II oder Pflegestufe I mit Demenz.

Wie viele Stunden Pflege pro Woche gehören zu Pflegegrad 3?

Das Gesetz nennt keine Stunden. Der Pflegegrad hängt von den Punkten ab, die der Medizinische Dienst für die Selbständigkeit vergibt.

Kann ich Pflegegeld und Pflegedienst gleichzeitig bekommen?

Ja, als Kombinationsleistung. Nutzen Sie die Sachleistung nur zum Teil, erhalten Sie den Rest anteilig als Pflegegeld.

Wie viel Verhinderungspflege gibt es bei Pflegegrad 3?

Längstens acht Wochen im Jahr, gemeinsam mit der Kurzzeitpflege bis zu 3.539 Euro. Bei nahen Angehörigen ohne Erwerbsabsicht regelmäßig bis 1.198 Euro. Nach dem Entwurf soll sie 2027 im Überbrückungsbudget aufgehen.

Bekomme ich bei Pflegegrad 3 einen Schwerbehindertenausweis?

Nicht automatisch. Den Ausweis gibt es auf Antrag bei einem Grad der Behinderung von mindestens 50. Pflegegrad und Behinderungsgrad werden getrennt festgestellt.

Wie viele Rentenpunkte bekommt eine Pflegeperson bei Pflegegrad 3?

Bei reinem Pflegegeld und ganzjähriger Pflege rund 0,39 Punkte pro Jahr (Rechenstand 2026), vorausgesetzt mindestens zehn Stunden Pflege pro Woche.

Was zahlt die Pflegekasse im Pflegeheim bei Pflegegrad 3?

Pauschal 1.319 Euro im Monat für die Pflege, dazu den Leistungszuschlag von 15 bis 75 Prozent auf den pflegebedingten Eigenanteil. Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten zahlen Sie selbst.

Ab wann gibt es die Leistungen?

Frühestens ab Beginn des Monats der Antragstellung, sofern die Voraussetzungen vorliegen.

Kann ich von Pflegegrad 3 auf Pflegegrad 4 hochgestuft werden?

Ja, wenn sich Ihr Zustand verschlechtert und Sie bei der neuen Begutachtung mindestens 70 Gesamtpunkte erreichen.

Verliere ich Pflegegrad 3 durch die Pflegereform?

Nach dem Gesetzentwurf nicht allein wegen der neuen Schwellen und Punktebewertung. Beschlossen ist das noch nicht.

Muss ich Pflegegeld versteuern?

Nein. Leistungen der Pflegeversicherung sind steuerfrei. Weitergegebenes Geld für Angehörige bleibt bis zur Höhe des Pflegegeldes steuerfrei (§ 3 Nr. 36 EStG).

Quellen & Prüfstand

Abgeglichen 02.11.2026, 05:37

Redaktionell aufbereitete Information, keine Rechts- oder Sozialberatung. Pflege-Lino ist ein privates Angebot und keine Behörde oder Pflegekasse.

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